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Zoni Weisz - der vergessene Holocaust

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Zoni Weisz ist einer der bekanntesten niederländischen Floristen. Und er ist Sinto. Als Einziger aus seiner Familie hat er die Verfolgung der Nationalsozialisten überlebt.

Heute kämpft er gegen das Vergessen des Holocaust und für die Bewahrung der Traditionen von Sinti und Roma.
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"Wenn ich Pferdehufe höre, führt mich das in meine Kindheit"

Zoni Weisz erinnert sich an die frühen Jahre seiner Kindheit, als er mit seinen Eltern mit Pferd und Wagen durchs Land reiste.

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Geboren wurde Zoni Weisz am 4. März 1937 in Den Haag. Vater Johannes war Musiker und Instrumentenbauer. Mutter Jacoba setzte sich früh dafür ein, dass der Junge die Schule besuchte.

Zoni Weisz wuchs mit seinen drei jüngeren Geschwistern unbeschwert auf. Gerne denkt er zurück an das Nomadenleben im Wohnwagen und den engen Zusammenhalt der Familie.

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"So ein Wohnwagen war sehr schön"

Zoni Weisz beschreibt die Einrichtung des Wohnwagens, auf den seine Mutter sehr stolz war.

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Die Familie lebte wie viele Sinti in einem hölzernen Wohnwagen, der von Pferden gezogen wurde. Abends lagerten sie am Waldrand, erzählten Geschichten und machten Musik.

Als die Bedrohung durch die Nationalsozialisten zunahm, wurde die Familie sesshaft. Der Vater mietete ein Ladenlokal in der Kleinstadt Zutphen, um weniger aufzufallen. Hier fand die Familie ein neues Zuhause und führte ein bürgerliches Leben - bis zum 16. Mai 1944.

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Der 16. Mai 1944 war – so Zoni Weisz – der "schwärzeste Tag in der Geschichte der niederländischen Sinti und Roma". Auch für die Familie Weisz endete die Hoffnung, der Vernichtungsmaschinerie entgehen zu können.

Bei einer landesweiten Razzia ("Zigeuner-Razzia") wurde sie in ihrem Haus verhaftet und in das Durchgangslager Westerbork gebracht.

Nur der siebenjährige Zoni blieb verschont, weil er an diesem Tag durch Zufall bei seiner Tante war.    
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"Moezla, pass auf meinen Jungen auf"

Die Deportation seiner Eltern hat sich ins Gedächtnis von Zoni Weisz gebrannt. Bei seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag 2011 erinnert er sich.

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Noch ein weiteres Mal hatte er unfassbares Glück. Wenige Tage nach der Razzia griff die Polizei auch ihn, die Tante und ihre Kinder auf.

Sie wurden zum Bahnhof Assen gebracht und sollten dort in den Deportationszug steigen, der bereits von Westerbork aus mit 245 Sinti und Roma – darunter seine Familie – nach Auschwitz unterwegs war. Noch am Bahnsteig verhalf ihnen ein Polizist zur Flucht.

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"Warum war ich nicht dabei?"

Zoni Weisz erzählt von Schuldgefühlen und seinem anfänglichen Schweigen über die Kriegszeit.

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Zoni Weisz' Mutter und Geschwister wurden im KZ Auschwitz-Birkenau ermordet, vermutlich in der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944, als die SS alle noch im "Zigeunerlager" verbliebenen 2.900 Sinti und Roma in die Gaskammern schickte. Der Vater wurde im KZ Mittelbau-Dora getötet.

Schätzungen zufolge fielen in Europa zwischen 220.000 und 500.000 Sinti und Roma dem Nazi-Terror zum Opfer.

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"Ich bin ein Blumenkind"

Zoni Weisz schwärmt von seiner Arbeit als Florist und rekordverdächtigen Gestecken mit Rosen.

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Dem traumatisierten Jungen fiel es schwer, nach dem Krieg wieder Fuß im Leben zu fassen. Seine Tante half ihm. Und ein Mentor, ein Florist, der seine Liebe zu den Blumen weckte.

Zoni Weisz machte eine Ausbildung in der Königlichen Gärtnerei. Nach dem Militärdienst studierte er Ausstellungsarchitektur und Kunstgeschichte in Amsterdam und wurde zu einem der führenden Floristen der Niederlande.

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"Ein natürliches Gefühl für Formen und Farben"

Zoni Weisz war 16 Jahre alt, als er in den königlichen Gärten des Hauses Oranien-Nassau arbeitete.

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Er arbeitete regelmäßig für das niederländische Königshaus, arrangierte den Blumenschmuck für die Krönungsfeier von Königin Beatrix und die Hochzeit des Kronprinzen Willem-Alexander mit Máxima.

Für sein Engagement für die niederländische Blumenindustrie und seinen Einsatz für die Sinti und Roma ernannte ihn Königin Beatrix zum Offizier des Ordens von Oranien-Nassau.


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Seit vielen Jahren kämpft er dafür, die Erinnerung an die Vernichtung der Sinti und Roma wachzuhalten. Als Zeitzeuge geht er in Schulen und Universitäten.

Er sprach vor den Vereinten Nationen in New York. Und zum Holocaust-Gedenktag 2011 hielt er eine eindrucksvolle Rede vor dem Deutschen Bundestag.
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"Es ist menschenunwürdig, wie Sinti und Roma behandelt werden"

Auszug aus der Rede von Zoni Weisz zum "Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus" am 27. Januar 2011.

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"Ich habe Ruhe gefunden"

Zoni Weisz hat die Orte der Leidensgeschichte seiner Familie besucht, vor denen er sich viele Jahre fürchtete.

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Als am 24. Oktober 2012 in Berlin das "Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas" eingeweiht wurde, war das für Zoni Weisz eine Genugtuung. Das Mahnmal ist für ihn ein "Ort der Hoffnung".

Indem er das Gedenken wachhält, findet er selbst Ruhe. Eine Ruhe, die für ihn überlebenswichtig ist.

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"Es ist wichtig, dass Nicht-Sinti Zugang zu unserer Geschichte haben"

Zoni Weisz über Integration und den Zugang zur Kultur und Geschichte der Sinti und Roma

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Zoni Weisz, der vom Außenseiter zum Avantgardisten, vom Verfolgten zum Repräsentanten seines Staates wurde, legt Wert darauf, dass Sinti und Roma ihre Kultur und Tradition bewahren.

Die zunehmende Diskriminierung vor allem in Osteuropa macht ihm Angst. Umso wichtiger ist es für ihn, sich gegenseitig mit Respekt zu begegnen.

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