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Vergessene Nachrichten

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Was sind vergessene Nachrichten?

Nachrichtenjournalisten sind Meister des Wegwerfens. Der Großteil aller Meldungen, die in einer Redaktion ankommen, landen im Papierkorb. Aussortieren, nach professionellen journalistischen Kriterien, das ist der Job.

Manchmal landet aber auch Interessantes im Papierkorb, fällt buchstäblich unter den Tisch, aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Solche Themen, die relevant sind, aber trotzdem vernachlässigt, recherchiert die Initiative Nachrichtenaufklärung (INA).

In der Deutschlandfunk-Nachrichtenredaktion setzen wir uns damit auseinander. In Zusammenarbeit mit der INA dokumentieren wir hier in diesem Jahr erstmals die Top 10 der vernachlässigten Nachrichten.  
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Günter Wallraff

Der Enthüllungsjournalist ist Mitglied der INA-Jury. Hier erklärt er, warum er in der Initiative mitarbeitet. 

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Welche Nachrichten und Themen werden von den Medien vernachlässigt? Worüber sollte mehr berichtet werden?

Die Initiative Nachrichtenaufklärung nimmt Vorschläge aus der Bevölkerung entgegen. An verschiedenen Hochschulen betreibt die INA Recherche-Seminare. Für die Studentinnen und Studenten sind die Recherche-Übungen Teil ihrer Ausbildung.

In Teamarbeit prüfen sie: Sind die vorgeschlagenen Themen stichhaltig? Und sind sie wirklich von den Medien vernachlässigt?

Die besten Ergebnisse werden dann einer Jury zur Abstimmung vorgelegt.
 

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Marco Bertolaso

Der Nachrichtenchef des Deutschlandfunks über eine nachhaltigere Berichterstattung. 

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Seit Anfang 2015 arbeitet die Initiative Nachrichtenaufklärung mit der Nachrichtenredaktion des Deutschlandfunks zusammen. 

Die Top Ten der vernachlässigten Nachrichten werden erstmals im DLF-Funkhaus in Köln vorgestellt. 

Folgende Themen hat die Jury gewählt: 


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Die Top-Ten-Liste für 2015

Christian Solmecke, Anwalt für Medienrecht

Das Mitglied der INA-Jury berichtet, wie solche Geschäfte ablaufen:

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Mehrere hundert Euro für einen Link auf der Internetseite einer Zeitung: Solche Linkverkäufe hat es nach Recherchen der INA bei zahlreichen Verlagen gegeben. Es handelt sich dabei um bezahlte Werbung, die im redaktionellen Teil versteckt wird – also um eine moderne Form von Schleichwerbung.

Der Werbeeffekt für den Kunden ist enorm: Denn wenn Medien mit einer großen Reichweite auf eine bestimmte Internetseite verweisen, steigt diese Seite im Ranking der Suchmaschinen. Sie wird in den Trefferlisten weiter oben angezeigt. Die Leser werden bei diesem Geschäft getäuscht. Die Linkverkäufe sind in Fachkreisen bekannt, werden in der Presse aber aus naheliegenden Gründen kaum thematisiert.

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Prof. Hektor Haarkötter

Der INA-Geschäftsführer erklärt, warum das Thema gewählt wurde: 

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Die parteinahen Stiftungen in Deutschland bekommen für ihre politische Bildungsarbeit jährlich umfangreiche staatliche Zuwendungen: insgesamt fast eine halbe Milliarde Euro. Die konkreten Einnahmen und Ausgaben der Stiftungen sind allerdings für die Öffentlichkeit nur unzureichend transparent, kritisiert die INA. Da es sich um öffentliche Mittel handelt, ist das Thema für alle Steuerzahler relevant.

Über Ungereimtheiten wird in den Medien vereinzelt berichtet. Die generelle Finanzstruktur wird aber von den Medien bisher nicht beleuchtet. Journalistinnen und Journalisten bieten sich hier vielfältige Recherchefelder im In- und Ausland.

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Günter Wallraff

Als Mitglied der INA-Jury war dem Journalisten Günter Wallraff dieses Thema besonders wichtig. 

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Ein Friseurlehrling in den neuen Bundesländern bekommt einen durchschnittlichen Monatslohn von 269 Euro. Bei angehenden Schuhmachern und Floristen ist es nur wenig mehr.

Prekär sind nicht nur die Löhne, sondern in manchen Branchen auch die Arbeitsbedingungen. Unbezahlte Überstunden für Azubis sind in einigen Branchen die Regel. Die INA legt ein Ranking der am schlechtesten bezahlten Berufe vor und erzählt die Geschichten einer angehenden Tanzlehrerin und eines Koch-Azubis.

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Ein Krankenhaus gibt Informationen über seine Patienten ohne Erlaubnis an die örtliche Kirchengemeinde weiter - so geschehen im rheinischen Troisdorf. Ein Beispiel für einen fahrlässigen Umgang mit Patientendaten. Informationen über Krankheiten gehören zur Intimsphäre des Menschen. Dennoch wird mit solchen Daten oft nicht angemessen umgegangen.

Für Krankenkassen können ärztliche Informationen bares Geld wert sein. Patienten beschweren sich beispielsweise bei Datenschützern, weil sie sich von ihren Versicherern mit unzulässig detaillierten Fragebögen ausgehorcht fühlen. Dabei wird auch die Unwissenheit von Patienten ausgenutzt.

Die INA fordert Medien auf, stärker darüber aufzuklären, wie der Datenschutz für Krankenhäuser und Krankenkassen geregelt ist.
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Deutschland gehört weltweit zu den Ländern mit dem höchsten Pro-Kopf-Verbrauch von Papier. Verschiedene Umwelt- und Herkunftssiegel sollen über die Art der Herstellung Auskunft geben.

Unter welchen Bedingungen das Papier tatsächlich hergestellt wurde, ist aber weitgehend unbekannt und kann nur schwer zurückverfolgt werden. Die Holzhandelsverordnung der Europäischen Union wird immer wieder umgangen, so dass es Verbrauchern nicht möglich ist, Papier aus legalen Quellen sicher zu erkennen.
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Skitouristen in den Alpenländern werden heute ohne ihr Wissen an Liftstationen fotografiert. Die Bilder werden von den privaten Betreibern gespeichert und verarbeitet, zum Beispiel um zu kontrollieren, dass Skipässe nicht weitergegeben werden. Nutzer werden darüber aber nicht immer informiert.

Ähnliche Einlasskontrollsysteme vom gleichen Hersteller gibt es auch in Sportstadien und in Parkhäusern. Aus der Kombination der Daten könnten Bewegungsprofile erstellt werden. Die INA sieht darin ein Beispiel dafür, wie heute weite Lebensbereiche von der Datensammelwut privater Firmen betroffen sind. 
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Justizvollzugsbeamte haben seit Jahren mit Stellenkürzungen und Einsparungen zu kämpfen. Während über Gefängnisausbrüche oder Gewalttaten häufig in den Medien berichtet wird, sind die Arbeitsbedingungen in den Strafanstalten kein Thema.

Die Probleme des Strafvollzugs sind nicht nur für die rund 38.000 Beamten relevant. Es geht auch darum, ob die Gefangenen während der Haft vor Gewalt geschützt werden können. Und nicht zuletzt hängt auch der Erfolg bei ihrer Resozialisierung von den Arbeitsbedingungen ab: Überlastete und überforderte Justizvollzugsbeamte können ihre schwierigen Aufgaben nicht optimal erfüllen.
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Das Unternehmen Facebook arbeitet kontinuierlich daran, die Daten seiner Nutzer immer umfassender zu analysieren. Eine neue Qualität erreicht diese Analyse, wenn Techniken der Künstlichen Intelligenz eingesetzt werden.

Facebook betreibt dazu ein eigenes Forschungsprogramm. Es geht um Technologien wie „Deep Learning“. Dabei sollen Computer in ähnlicher Weise lernen wie ein menschliches Gehirn. Verfahren der Künstlichen Intelligenz sind für Unternehmen sehr attraktiv, die über große Datenmengen verfügen.

Über den fehlenden Datenschutz bei Facebook & Co. wird viel in den Medien berichtet – nicht aber über die technischen Entwicklungen, die dieses Problem noch verschärfen könnten.
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Miriam Bunjes, freie Journalistin und INA-Jurymitglied, sieht Verbindungen zum NSU-Skandal:

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PIAV ist die Abkürzung für „Polizeilicher Informations- und Analyseverband“. Es handelt sich um ein Projekt mit dem Ziel, alle Fall- und Täterdaten der Polizei in einem einheitlichen System zusammenzufassen. Bis heute ist jedoch kein funktionstüchtiges Programm für alle Bundesländer in Betrieb. Dabei wurden schon seit dem Jahr 2002 Millionen an Steuergeldern in Vorläuferprojekte investiert.

2012 gab die Bundesregierung die weiteren Kosten für PIAV mit 62 Millionen Euro an. Damals ging man allerdings davon aus, das Projekt im Jahr 2014 abzuschließen. Dieser Zeitplan wurde offenbar nicht eingehalten, ein neuer Termin ist nicht bekannt. Insgesamt dringt nur sehr wenig über das Vorhaben an die Öffentlichkeit. 

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Wenn die Polizei wissen will, wer sich zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem Ort aufgehalten hat, kann sie eine Funkzellenabfrage beantragen. Sie bekommt dann von Handybetreibern die Daten aller Mobiltelefone, die sich in einem bestimmten Bereich befanden.

Kritiker sprechen von einer modernen Form der Rasterfahndung, weil eine große Zahl völlig unbeteiligter Menschen von den Ermittlungen betroffen sind.

Über Funkzellenabfragen berichten die Medien hin und wieder im Zusammenhang mit Demonstrationen. Weniger bekannt ist, wie häufig diese Ermittlungsform mittlerweile eingesetzt wird und wie viele Daten dadurch erhoben werden.
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1. Verkaufte Links

2. Undurchsichtige Finanzen bei politischen Stiftungen

3. Prekäre Verhältnisse in Ausbildungsberufen

4. Fragwürdiger Umgang mit Patientendaten

5. Weißes Papier, schmutziges Geschäft

6. Überwachung in Skigebieten

7. Arbeitsbedingungen im Strafvollzug

8. Facebook erforscht Künstliche Intelligenz

9. Millionen-Grab Polizei-Software 

10. Moderne Rasterfahndung per Handy

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Deutschlandradio, Körperschaft des öffentlichen Rechts
Postanschrift: Raderberggürtel 40, 50968 Köln
Gesetzlicher Vertreter: Intendant Dr. Willi Steul
Umsatzsteuer-Identifikations-Nummer: DE 123052353
Verantwortlich im Sinne des Rundfunkstaatsvertrags: Andreas-Peter Weber (Programmdirektor)
Postanschrift: Raderberggürtel 40, 50968 Köln;

Redaktionelle Zuständigkeit Onlineauftritt:
Dr. Nicola Balkenhol, Dr. Marco Bertolaso.

Produktion: Deutschlandfunk 2015

Bildquellen:
Jean-Pierre Clatot/AFP, Initiative Nachrichtenaufklärung, Deutschlandradio, José Jordan/AFP, Andreas Gebert/dpa, Rainer Unkel/imago, Stephan Jansen/dpa, Ahmad Zamroni/AFP, Philippe Desmazes/AFP, Marius Becker/dpa, MiS/imago, Oliver Berg/dpa, Fredrik von Erichsen/dpa

Redaktion: Rita Vock 




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