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Nationalstraße 7

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Die Nationalstraße 7 ist für Frankreich, was die Route 66 für die USA ist: Fast 1.000 Kilometer lang schlängelt sie sich von Paris nach Menton. In den 1950er- und 1960er-Jahren gab es kaum einen Franzosen, der sich im Sommer nicht auf der N7 Richtung Süden aufmachte. Doch mit der Dezentralisierung der Nationalstraßen und dem Ausbau der Autobahnen ist die N7 ein wenig in Vergessenheit geraten. 

Auf der Fahrt von Paris nach Menton haben wir an neun Orten entlang der N7 Station gemacht - um Frankreich vor den mit Spannung erwarteten Präsidentenwahlen den Puls zu fühlen.

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Die Nationalstraße 7 ist die berühmteste der französischen Nationalstraßen, die alle von Napoleon sternförmig von Paris aus angelegt worden, um die Provinzen zu erschließen. Der Nullpunkt ist vor der Kirche Notre-Dame in Paris.

Der französische Chansonnier Charles Trenet hat der N7 im Jahr 1959 ein musikalisches Denkmal gesetzt. Sein Chanson "Nationale 7" besingt den Zauber der legendären Urlaubsstraße in den Süden und wurde bis heute von vielen anderen Künstlern gecovert.

Cover-Version von "Nationale 7" von Pierre Perrin (Auftritt vom 17.3.1966)
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Der Charme der Nationalstraße 7 erschließt sich auf dem ersten Drittel der Fahrt ans Mittelmeer allenfalls auf den zweiten Blick. Nach dem Staatsforst Fontainebleau mit seinem berühmten Schloss geht es vorbei an Gewerbegebieten und tristen Streckenabschnitten, an denen Prostituierte in weißen Bullis auf Freier warten.

Gut 120 Kilometer südlich von Paris liegt die Kleinstadt Châlette-sur-Loing direkt an der N7. Hier ist die Krise in Frankreich mit Händen zu greifen: hohe Arbeitslosigkeit, viel Leerstand in der Innenstadt und wachsende Aggressionen auf der Straße.  

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Das war nicht immer so. Mitte des 19. Jahrhunderts gründete der US-amerikanische Ingenieur Hiram Hutchinson in Châlette-sur-Loing eine Kautschukfabrik, die der Region viele Arbeitsplätze brachte. Auch der ehemalige Gewerkschafter Jean Louis hat jahrelang in der Fabrik gearbeitet.

Doch die Belegschaft schrumpft. Die noch verbliebenen 1.400 Arbeiter und Angestellten fürchten um ihre Jobs.

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Mit der Arbeitslosigkeit wachsen die Spannungen zwischen den Kulturen. Dabei galt die Kleinstadt mit ihrer multikulturellen Arbeiterschaft aus Dutzenden Ländern früher als Vorbild für Integration.

Auf einen radikalen Wandel hofft José, der seit mehr als vierzig Jahren im Stadtteil Vésines lebt. Er stammt aus Portugal, seine Eltern haben früher für die Fabrik gearbeitet. Er selbst hat ein kleines Handwerksunternehmen mit zehn Angestellten im Industriegebiet. 

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Der ehemalige Hutchinson-Gewerkschafter Jean Louis
hat mehr als ein Vierteljahrhundert in Châlette als Bürgermeister politische Verantwortung getragen.
Bis heute ist das Rathaus fest in kommunistischer Hand. 

Im Wahlkampf um die Präsidentschaft unterstützt der 80-Jährige den Linksextremisten Jean-Luc Mélenchon. Doch ganz unabhängig von dieser Personalie macht sich Louis große Sorgen um sein Land und die von Affären durchgeschüttelte politische Klasse.

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Gut 300 Kilometer südlich von Paris liegt Moulins. Die Kleinstadt blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Im Mittelalter residierten hier die Herzöge von Bourbon und sorgten für ein goldenes Zeitalter. 

Zur einzigen Autobrücke über die Allier führen Gassen mit rosa Sandsteinhäusern. Die Pont Régemortes über den wilden Fluss gilt als ingenieurtechnische Meisterleistung. Sie hat aber auch einen festen Platz im historischen Bewusstsein der Einwohner.

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Die Pont Régemortes mit ihren Steinbögen aus dem 18. Jahrhundert ist seit einem Vierteljahrhundert eine Lebensader, die die Altstadt mit dem westlichen Teil von Moulins verbindet. Und sie erinnert an eine Grenze, die mitten im heutigen Frankreich die Bevölkerung der Stadt für Jahre getrennt hat.

Während der deutschen Besatzung verlief die Grenze zwischen dem freien und besetzten Frankreich auf der Brückenauffahrt. Jean-François Crost erinnert mit seinem kleinen Geschichtsverein an diesen europäischen Aspekt der Geschichte Moulins.

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Die bevorstehende Präsidentenwahl hat die politische Szene in der Stadt durcheinandergewirbelt. Der unabhängige Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron hat auch in Moulins ein Unterstützerkomitee.

Was hier auffällt: Hier sammeln sich Bürger, die sich zum ersten Mal in ihrem Leben politisch aktiv engagieren. So wie der 25 Jahre alte Geschichtsstudent Jean.

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Mit jedem Kilometer Richtung Süden verändern sich Landschaft und Klima. Langsam verdrängen Weinberge die Getreidefelder. Bis sie schließlich die Hügel entlang der Rhône ganz dominieren.

Tain-l'Hermitage liegt gut 90 Kilometer südlich von Lyon. Hier im Umfeld des Regionalzentrums Valence beginnt der "Süden der Nordhalbkugel". Der 45. Breitengrad kurz hinter Tain markiert die Hälfte der Strecke vom Nordpol zum Äquator.

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Der Wein gibt hier den Takt vor im Leben der Menschen. Und bei einigen auch: die Kirche. Frankreich gilt als älteste Tochter der katholischen Kirche.

Um kurz vor 10 Uhr jeden Sonntag rufen die Glocken die Gläubigen zum Gottesdienst. Die katholische Gemeinde in Tain altert, aber während der Sonntagsmesse ist die Kirche gut gefüllt - mit jungen und alten Gläubigen.

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Es kommt nicht oft vor, dass Pfarrer Raymond Peyret tagespolitische Ereignisse zum Thema seiner Predigt macht.

So kurz vor den Präsidentenwahlen macht er eine Ausnahme. Ein Text aus dem Buch Samuel dient ihm als Anlass, um über den "besten Kandidaten" nachzudenken. Er selbst ist sich aber unsicher, wem er bei den Wahlen seine Stimme geben soll.

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"Fillon vertritt mich nicht"

Messgänger André über die Qual der Wahl.

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Der konservative Kandidat François Fillon gilt als Kandidat der Katholiken. Er bekennt sich offen zu seinem Glauben, und als die Katholiken vor vier Jahren mit Millionen Bürgern gegen die gleichgeschlechtliche Ehe protestierten, marschierte Fillon an vorderster Front mit.

Doch seine Glaubwürdigkeit hat stark gelitten, seit ihm die Justiz vorwirft, auf Steuerzahlerkosten seine Familie angestellt zu haben - ohne nachweisbare Gegenleistung. 

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Sie ist ein Wahrzeichen der Studentenstadt Aix-en-Provence: die Rotonde. Doch derzeit fließt der Verkehr nur zäh an dem großen Brunnen im Zentrum von Aix vorbei. Die Ausfahrt zum Prachtboulevard Cours Mirabeau ist seit einigen Monaten gesperrt. Schwere Betonklötze blockieren die Zufahrt.

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Seit den Attentaten von Paris herrscht in Frankreich der Ausnahmezustand. Und die Folgen sind auch in Aix-en-Provence zu spüren. Sogar das kleine Rathaus wird von Polizisten bewacht. Christian Rolando ist als Beigeordneter der Bürgermeisterin für die Sicherheit in der Stadt zuständig.

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Von den 100 städtischen Polizisten, über die Rolando verfügen kann, ist durchschnittlich nur die Hälfte einsetzbar, rechnet er vor - wegen Schichtdienst, Urlaub und Krankheit. Nicht alle Veranstaltungen lassen sich damit schützen. Das traditionelle Radrennen fällt aus Sicherheitsgründen aus.

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Die Nationalstraße 7 ist ein Wirtschaftsfaktor für die 15 Départements und mehr als 120 Kommunen, die entlang der Route liegen. Im Umfeld der N7 befindet sich noch heute die größte Dichte an Sterne-Restaurants in Frankreich.

Zugleich leiden Städte und Dörfer auch unter dem Verkehr, den die Nationalstraße durch ihre Zentren führt. Seit die Autobahnen als Entlastung gebaut wurden, ist das besser geworden, aber noch immer ist die N7 für viele Anrainer auch ein Synonym für Lärm, Abgase und hässliche Infrastruktur.

In Le Luc führt die Nationalstraße 7 einmal quer durch die 10.000-Einwohner-Stadt.

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Zu denjenigen, die ihr Geschäft der N7 verdanken, zählt Christian Poteau. Seine Werkstadt an der Stadtausfahrt von Le Luc liegt an der N7, und sein Leben ist ganz auf die Nationalstraße ausgerichtet.

Seit mehreren Generationen ist der Betrieb im Besitz der Familie. Christian ist im Haus nebenan zur Welt gekommen. Die N7 bringt ihm Kunden und lässt ihn in den Erinnerungen längst vergangener Zeiten schwelgen.

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Typischer Ferienverkehr auf der Nationalstraße 7 Ende der 1950er-Jahre
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Wenn in Frankreich über den Front National berichtet wird, fällt schnell der Name Fréjus. Hier am Mittelmeer liegt die mit gut 53.000 Einwohnern größte Stadt Frankreichs, die derzeit vom Front National regiert wird.

Bürgermeister David Rachline hatte für ein Interview keine Zeit, weil er den Präsidentschaftswahlkampf für Marine Le Pen koordiniert. Dafür haben andere über den Erfolg des FN Auskunft gegeben.

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Seit der Wahl Rachlines habe sich die Entwicklung der Stadt verbessert, sagen die Boules-Spieler an der Strandpromenade. Sie sprechen ganz offen über ihre Sympathien für die rechtsextreme Partei.

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Kritiker sagen, die neue Rathaus-Führung komme über Symbolpolitik nicht hinaus. Zu den ersten Maßnahmen von Bürgermeister Rachline gehörte das Einholen der Europa-Fahne vor dem Rathaus der Stadt.

Zuletzt musste der FN-Politiker aber eine herbe Niederlage einstecken. Die illegal errichtete Moschee in einem marokkanisch geprägten Stadtviertel wollte er abreißen lassen. Doch die Justiz legte ihr Veto ein.

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Eric Farel ist Redaktionsleiter der Zeitung "Var-Matin" in Fréjus und damit so etwas wie ein natürlicher Gegner des FN. Denn der Front National macht in den Wahlkämpfen beständig Stimmung gegen die etablierten Medien.

Auch Farel und sein Team wurden monatelang vom Informationsfluss der Stadtverwaltung abgeschnitten. Sein Urteil über den FN in Fréjus fällt gleichwohl gemischt aus.

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Die Studentenstadt und Regionalmetropole Nizza ist seit dem 14. Juli 2016 ein Symbol für die blutige Spur, die der Terror durch Frankreich zieht.  Mehr als 80 Menschen wurden getötet und über 400 verletzt, als ein Attentäter am Nationalfeiertag seinen Lastwagen auf der "Promenade des Anglais" in die feiernde Menschenmenge steuerte.

Mayar Khenissa ist als kleines Kind aus Algerien nach Frankreich gekommen. Sie macht in diesem Jahr Abitur in Nizza. Was erwarten sie und ihre Freunde von der Politik? 

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Die letzte Etappe der gut 1.000 Kilometer langen Reise von Paris nach Menton endet am Grenzübergang St. Ludovic. Noch sind die Schlagbäume zwischen Frankreich und Italien zwar nicht zurückgekehrt, aber Polizisten auf beiden Seiten des alten Grenzhäuschens lassen kein Gefühl von grenzenloser Freiheit aufkommen.

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Begonnen haben die verschärften Kontrollen, als immer mehr Flüchtlinge von Italien durch Frankreich nordwärts Richtung Ärmelkanal zogen. Die Terroranschläge in vielen europäischen Ländern haben die Sicherheitslage noch einmal verschärft. Für Flüchtlinge ist die Grenze heute an dieser Stelle nur noch schwer zu überwinden.

Die Theaterregisseurin Mandine Gauillaume aus Menton beklagt diese Entwicklung.

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Die Touristen bekommen von den Dramen um ertrunkene oder zurückgewiesene Flüchtlinge kaum etwas mit. Wenige Hundert Meter von der Grenze entfernt, nimmt das Leben in der malerischen Altstadt seinen gewohnten Lauf.

Mit seinem milden Klima ist Menton bei den Mittelmeer-Touristen das ganze Jahr über beliebt. 

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Gilbert Bouchet ist Bürgermeister der kleinen Stadt Tain-l'Hermitage an der Rhône.

Die Lage vor den Präsidentschaftswahlen ist für ihn ernst, aber nicht hoffnungslos.

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