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Fahrradfreundlicher Städtebau

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Fahrradfahren boomt. Im Fahrradmonitor 2017 des Bundesverkehrsministeriums gaben 77 Prozent der Befragten an, das Rad als Verkehrsmittel oder in der Freizeit zu nutzen. Aber in vielen Städten haben Fahrradfahrer nicht genügend Platz. Wie kann eine Stadt wie Köln die Infrastruktur nachträglich fahrradfreundlich gestalten?


von Katharina Peetz

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Eine Ampel mit Fußgänger und Fahrrad drauf

Der Anteil des Radverkehrs in den Kölner Stadtbezirken liegt zwischen etwa 8 und 17 Prozent. Jedes Jahr wächst er um mehrere Prozentpunkte.

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Im Fahrradklimatest 2016 des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) liegt Köln auf Platz 37 von 39 von Städten mit mehr als 200.000 Einwohnern. Noch schlechter ist die Situation für Radfahrer nur noch in Mönchengladbach und Wiesbaden.

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Im Fahrradklimatest kritisierten die Befragten in Köln vor allem, dass die Radwege zu schmal seien und Falschparker nicht kontrolliert würden. Positiv sahen sie, dass viele Einbahnstraßen für Fahrräder freigegeben sind.

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Umfrage unter Radfahrern in Köln

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Ein aufgerissener Radweg

Wie finden Fahrradfahrer in Köln die Radwege?

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Ein weißes Fahrrad steht am Rhein-Ufer

Dass Radfahrer auf Kölner Straßen mitunter gefährlich leben, zeigt die Verkehrsunfallstatistik der Polizei. Im Jahr 2017 sind im Stadtgebiet 1.870 Fahrradfahrer verunglückt. Davon wurden 255 schwer verletzt. Zwei Radfahrer starben. Zu Unfällen kommt es häufig beim Abbiegen.

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Christoph Schmidt (ADFC Köln)

"Wir haben einen Flächenkonflikt"

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Christoph Schmidt ist Vorsitzender des ADFC Köln. Viele Radwege seien nur einen Lenker breit. Radfahrer sind aber im Gegensatz zu Autofahrern sehr unterschiedlich schnell unterwegs, erklärt Christoph Schmidt. Das wird zum Problem, wenn kein Platz zum Überholen vorhanden ist.

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Christoph Schmidt sitzt auf seinem Fahrrad

Brenzlig kann es zum Beispiel an dieser Unterführung am Kölner Dom werden. Radfahrer haben in die eine Fahrtrichtung nur einen schmalen Schutzstreifen neben zwei Autospuren. Der Autoverkehr drängt sich deshalb sehr eng am Radverkehr vorbei, erklärt Christoph Schmidt vom ADFC.

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Aber wie kann eine Stadt wie Köln, die jahrzehntelang auf Autoverkehr eingestellt war, nachträglich die Infrastruktur fahrradfreundlicher gestalten?

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Peter Lemke im Porträt

Peter Lemke gehört zum Team des Fahrradbeauftragten der Stadt Köln. Er plant unter anderem Maßnahmen für den Radverkehr, zum Beispiel die Sanierung von bereits vorhandenen Radwegen. Dafür steht in Köln ein Budget von etwa 1,5 Millionen Euro jährlich zur Verfügung.

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Peter Lemke (Stadt Köln)

"Die meisten Unfälle passieren beim Abbiegen"

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Grundsätzlich will die Stadt Köln den Radverkehr künftig auf die Straße bringen. Früher habe man Radwege gebaut, zum Teil hinter parkenden Autos. Das werde jetzt rückgängig gemacht. Fahrradfahrer auf der Straße fahren zu lassen, sei sicherer, weil sie dann im Blickfeld der Autofahrer sind, sagt Peter Lemke. Auf der Straße hätten Radfahrer auch eher die Möglichkeit, andere Radfahrer zu überholen.

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Die Fahrradspur auf der Ulrichgasse in Köln

Je nach Straße und Verkehrslage gibt es verschiedene Möglichkeiten: Entweder müssen Radfahrer im sogenannten Mischverkehr mitfahren. Alternativ werden schmale Schutzstreifen markiert, die Autos bei Bedarf befahren dürfen. Für Christoph Schmidt vom ADFC ist eine gute Option eine eigene Fahrspur wie auf dieser Straße in der südlichen Altstadt. Dafür wurde eine Autospur weggenommen und als Fahrradspur neu markiert.

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Ein Schild mit der Aufschrift "Fahrradstraße"

Vereinzelt gibt es in Köln auch schon reine Fahrradstraßen. Hier dürfen Radfahrer nebeneinander fahren. Autos sind nur erlaubt, wenn wie auf diesem Schild Autos und Motorräder freigegeben sind.

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Die Straße Friesenwall in Köln

Auch diese schmale Straße in der Kölner Innenstadt soll zur Fahrradstraße werden. Dafür fallen Parkplätze weg. Christoph Schmidt vom ADFC findet, Parken muss nicht überall am Straßenrand stattfinden, denn in den Parkhäusern ist noch Platz. Auch Peter Lemke vom Team des Fahrradbeauftragten erklärt: Wer zu Besuch ist oder Einkaufen geht, müsse in der Innenstadt nicht auf der Straße parken. Für Anwohner müssten aber weiterhin Parkmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

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Alexander Schmidt an der Universität Duisburg-Essen

Alexander Schmidt ist Leiter des Instituts für Städtebau und Stadtplanung an der Universität Duisburg-Essen. Damit mehr Menschen vom Auto aufs Fahrrad umsteigen, müsse Radfahren sicherer und bequemer werden.
Viele Radfahrer schrecke es eher ab, auf der Straße zu fahren. Denn in den Köpfen der Menschen sei tief verankert, dass der Straßenraum den Autofahrern gehört. 

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Alexander Schmidt an der Universität Duisburg-Essen

Für eine bessere Radinfrastruktur empfiehlt Alexander Schmidt deutliche farbliche Markierungen, damit Radfahrer im Verkehr besser wahrgenommen werden. Wenn das Tempolimit auf 30 km/h gesenkt würde, könnten die Spuren für Autos schmaler werden und eine eigene Fahrradspur entstehen. Auch eine grüne Welle für Radfahrer sei denkbar, um das Fahrrad als Verkehrsmittel attraktiver zu machen.

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Fahrradgerechte Infrastruktur ist in vielen Städten schon etabliert. So wie zum Beispiel in Kopenhagen, Seattle und Rotterdam. Hier gibt es eigene Fahrradspuren oder auch Tunnel für Fahrräder.

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Christoph Schmidt (ADFC)

"In Holland hat man den Mut"

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Fahrräder in Amsterdam

Vor allem die Niederlande gelten als sehr fahrradfreundliches Land. Das war aber längst nicht immer so, erklärt Christoph Schmidt vom ADFC Köln. Man habe dort einfach den Mut gehabt und die Diskussionen über Radinfrastruktur schon vor 30 Jahren geführt.

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Eine Protected Bike Lane in New York

Eine so genannte Protected Bike Lane ist zusätzlich geschützt. Zum Beispiel mit Blumenkübeln wie hier in New York. Auch in Köln wird geprüft, ob eine Protected Bike Lane auf einer größeren Straße in der Nähe des Rheins machbar ist, sagt Peter Lemke vom Team des Fahrradbeauftragten.

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Der Radschnellweg in Essen

Für längere Strecken zwischen Städten und Ortschaften gibt es Radschnellwege wie den im Ruhrgebiet. Dieser ist noch nicht vollständig fertig gebaut, wird aber teilweise schon genutzt. Zum Beispiel hier in der Nähe der Universität Essen. Auch zwischen Köln und Frechen im Rhein-Erft-Kreis soll ein acht Kilometer langer Radschnellweg entstehen.

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Ein Fahrrad fährt an der Rheinpromenade entlang

Einige Strecken in Köln ließen sich aber auch künftig nicht fahrradfreundlich gestalten, sagt Peter Lemke. Sie seien einfach in der damaligen Zeit anders geplant worden. Zum Beispiel die Rheinpromenade. In den 70er-Jahren hat man diese auf verschiedenen Ebenen mit versetzt gepflanzten Bäumen angelegt. Hier müssen Radfahrer auch künftig Rücksicht nehmen und langsam fahren, sagt Peter Lemke.

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Peter Lemke (Stadt Köln)

"Infrastruktur nach und nach umgestalten"

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Ein Baustellenschild weist auf Markierungsarbeiten hin

Die Konzepte und Ideen für bessere Infrastruktur seien in Köln mittlerweile da, sagt Christoph Schmidt vom ADFC. Aber die Umsetzung gehe sehr zäh voran. Peter Lemke vom Team des Fahrradbeauftragten erklärt: Besonders in der Innenstadt werde es in diesem Jahr spürbare Verbesserungen für den Radverkehr geben. Es brauche aber eine gewisse Zeit, die Infrastruktur umzugestalten.

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Die Stadt Köln hat in ihrem Strategiepapier "Köln mobil 2025" ein klares Ziel formuliert: Bis zum Jahr 2025 soll nur noch ein Drittel des Verkehrs motorisierter Individualverkehr (MIV), also Autos und Motorräder, sein. Zwei Drittel des Verkehrs sollen aus Radverkehr, Fußgängern und ÖPNV bestehen. 

Die Frage bleibt: Ist bis dahin auch ein Umdenken erfolgt?

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